W-Seminar: Exkursion nach Buchenwald

Das W-Seminar Geschichte von Frau Weise unternahm vom 10. bis 12. Februar 2015 eine Exkursion zur KZ-Gedenkstätte Buchenwald bei Weimar. Ihre Eindrücke haben die Schüler in Form eines Tagebuchs festgehalten.

10.02.15

Liebes Tagebuch!

Wir fahren morgen mit unserem W-Seminar in das Konzentrationslager Buchenwald. Wir sind sehr gespannt, wie es wird, weil wir ziemlich gemischte Gefühle dazu haben.

Wir müssen jetzt los, bis bald...

11.02.15

Nach unserer anstrengenden Zugfahrt sind wir mit dem Bus zur Jugendbegegnungsstätte gefahren. Wir haben die Zimmer eingeteilt und hatten kurz Zeit, um uns einzurichten, bevor wir uns mit Herrn Obbarius vor dem Rezeptionshaus trafen. Warm eingepackt lernten wir Holger Obbarius kennen, der uns während unserer Zeit in Buchenwald begleitet hat.

Begonnen hat unsere Führung vor den ehemaligen SS-Unterkunftshäusern. Herr Obbarius erzählte uns etwas über die Häuser in der Zeit des Lagers und fragte, ob es uns unangenehm sei, dass wir in einem dieser Häuser schlafen werden. Nachdem wir kurz über diese Frage nachgedacht haben, stellten wir fest, dass es wirklich ein komisches Gefühl ist. Er berichtete uns auch etwas über den heutigen Parkplatz, der damals der Exerzierplatz des Lagers war und dass dort die Rekruten ausgebildet wurden. Da aber einige der SS-Häuser nach der Befreiung des Lagers als Lazarett dienten, um die kranken und völlig erschöpften ehemaligen Häftlinge angemessen zu versorgen, konnten wir auch etwas Gutes mit unserem Aufenthaltsort verbinden.

Unsere nächste Station war der Lagerplan, damit wir uns einen Überblick verschaffen konnten. Darauf waren neben den noch stehenden Häusern, die rot gekennzeichnet waren, auch die fehlenden Gebäude oder Ruinen, welche grau gekennzeichnet waren, abgebildet. Der Plan zeigte die ursprüngliche Größe des Lagers und auch Gebäude, die außerhalb standen, wie zum Beispiel die Waffenfabrik und der Wirtschaftshof der SS.

Auf dem Weg zu den ehemaligen Verwaltungsgebäuden erzählte Herr Obbarius uns etwas über das Alter und die Beweggründe der SS-Soldaten. Zum Beispiel waren 80 Prozent unter 21 Jahre. Die meisten haben sich freiwillig zum Dienst gemeldet, da eine Einstellung bei der SS einen Aufstieg in der Gesellschaft bedeutete. Darüber hinaus wussten alle, was ihre Tätigkeiten sein würden.

Bei den Verwaltungsgebäuden angekommen informierte Herr Obbarius uns über die lagereigene Tankstelle und dass Gefangene, die einen Nutzen für die SS hatten, in diesem Fall Kfz-Mechaniker, bevorzugt wurden und "besser" lebten. Dies führte zu Verstimmungen unter den Häftlingen, was die SS als Vorteil betrachtete, da erstere sich so wahrscheinlich nicht für einen Aufstand zusammenschlössen.

Unser Weg führte uns durch das Eingangstor mit dem Schriftzug ''Jedem das Seine'' in Richtung des Krematoriums. Im Hof der Verbrennungsanlage erhielten wir einen groben Überblick über das ganze Gebäude. Als Erstes betraten wir die damalige Pathologieabteilung, die nur dazu da war, bei den Toten eine ''natürliche'' Todesursache festzustellen, da nur diese Leichen verbrannt werden durften. Im nächsten Raum war ein Bild zu sehen, auf dem viele Leichen im Hof des Krematoriums lagen, um verbrannt zu werden. Bei diesem Anblick wurde die Stimmung deutlich nachdenklicher und bedrückter. Diese Gefühle verstärkten sich, als wir in den Raum mit den Gedenktafeln, die Familien hinterlassen hatten, und in dem Raum mit den Öfen kamen. Schnell erkannten wir, dass es keine richtigen Krematoriumsöfen waren, sondern eher Müllverbrennungsanlagen. Diese Erkenntnis schockierte uns sehr, da die Häftlinge sogar, als sie tot waren, ohne Ehre und wie ''Müll'' behandelt wurden.

Unser nächster Stopp fand auf dem ehemaligen Appellplatz statt, auf dem sich die Gefangenen zu täglichen Zählungen versammeln mussten. Herr Obbarius veranschaulichte uns mit verschiedenen Geschichten das tägliche Leben im KZ, z. B. dass die SS-Leute Tricks anwendeten, um Häftlinge bestrafen oder sogar töten zu können.

Auf diesem Platz kam unsere Gruppe auch mit dem ersten Denkmal unserer Exkursion buchstäblich in Berührung. Eine Platte, in die alle Nationen der im Lager ermordeten Häftlinge eingraviert sind und die immer 37°C (welches die normale Temperatur des menschlichen Körpers ist) hat. Bisher finden sich 48 Nationen darauf. Diese Platte steht genau an dem Punkt, an dem das allererste Denkmal nach der Befreiung Buchenwalds stand. Dieses Denkmal stand ab dem 19. April 1945, 14 Tage lang.

Als Nächstes führte uns der Weg zum Tor mit der Inschrift "Jedem das Seine" zurück, welches der tägliche Anblick der Häftlinge war.

Anschließend gingen wir zum Aufwärmen in einen Raum mit einem Modell des Lagers. In diesem Haus befand sich ehemals das Büro von Karl Koch, der damals der Lagerchef war. Als wir das Modell besprochen hatten, wurde uns die enorme Größe des Lagers und wie viele Häftlinge dort gewesen sein müssen noch einmal klar.

Wir gingen danach zu unseren Unterkünften zurück und trafen uns im Gemeinschaftsraum zu einer Kennenlernrunde. Jeder stellte sich vor, erzählte, wieso er an der Exkursionen teilgenommen hat und berichtete von den Reaktionen der Eltern auf diese Entscheidung. Anschließend aßen wir zu Abend, wobei wir etwas zur Ruhe kommen und uns über den ganzen Tag austauschen konnten. Danach trafen wir uns, um für unsere Seminararbeiten nach Literatur zu recherchieren, in einem Computerraum. Dabei haben uns Herr Obbarius und Frau Weise sehr unterstützt. Obwohl wir alle sehr kaputt und eingefroren waren, gingen wir dann noch auf den Dachboden von einem der ehemaligen SS-Unterkunftshäusern, auf dem viele Holztruhen mit Zitaten damaliger Häftlinge standen. In diesen Kisten - die aus einer ehemaligen Ausstellung stammten - waren auch die Lebensgeschichten dieser Menschen im Lager und nach der Befreiung der hier Ausgewählten in einem Katalog aufgezeichnet, in dem auch Zeichnungen oder Kompositionen vorhanden waren. Dies zu lesen und anzuschauen, hat uns sehr beeindruckt. Es war sehr interessant, mal ein Bild eines Häftlings zu haben und etwas von seiner Persönlichkeit kennenzulernen, weil man sie sonst nur als Opfergruppe und nicht als einzelne Menschen gesehen hat.

Als wir dann ins Bett gefallen waren, redeten wir beide doch noch lange, da wir nach den vielen Eindrücken doch von dem Schicksal der Häftlinge etwas aufgewühlt und sehr betroffen waren. Wir waren froh über die Zeit für uns, in der wir noch einmal alles durchdenken und uns einen eigenen Eindruck verschaffen konnten.

12.02.15

Am zweiten und letzten Tag unseres Aufenthalts gingen wir nach dem Frühstück los und liefen zum DDR-Mahnmal des ehemaligen Konzentrationslagers. Dort trafen wir uns mit Herrn Obbarius, der uns eine kurze Einführung am Lageplan gab und uns anschließend zum Eingangstor der Anlage führte. Bei der Ankunft wurde eine Treppe sichtbar, die 300–400 Meter abwärts zu den Massengräbern führte. Seitlich der Treppe standen dort sieben Steinwände mit eingemeißelten Bildern, die die Geschichte Buchenwalds aus der Sicht der DDR von der Eröffnung bis zur Befreiung des Lagers erzählen. Deshalb zeigen die Reliefbilder nicht, dass die US-Army das Lager befreit hat, sondern dass es kommunistische Aufständische durch Zusammenhalt und versteckte Waffen geschafft hätten, das Lager zu übernehmen. Dies war ein Propagandatrick der DDR, damit der Kommunismus gut da stand und die DDR ihren Ursprungsmythos des antifaschistischen Staates darstellen konnte.

Unten angelangt sahen wir die runden und durch eine Mauer eingefassten Massengräber, die wie riesige Trichter weiter in die Tiefe gingen. Herr Obbarius erklärte uns, dass die Massengräber große, tiefe Ringgräber sind, in denen die Leichen einfach hineingeschüttet wurden. Als wir vor diesen Löchern standen und uns vorstellten, dass dort noch tausende Skelette liegen und die Toten damals einfach wie Müll hineingeworfen wurden, wurde uns die Ausmaße dieses Verbrechens mehr und mehr bewusst. An der Mauer um die Gräber herum, hing eine Tafel, auf der stand, dass dort die kommunistischen Widerstandskämpfer ''begraben'' worden waren. Diese Formulierung bewies uns abermals, dass die DDR die Geschichte Buchenwalds so darstellte, dass sie zu ihren Idealen passte, denn nicht jeder Häftling war ein politischer und noch dazu ein Widerstandskämpfer gewesen. Dementsprechend wurden hier auch nur 18 Nationen gedacht, da der kommunistische Hintergrund der Häftlinge in der DDR eine große Rolle spielte und dementsprechend überhöht wurde.

Der Weg führte nun nach links weiter an großen Säulen mit Feuerschalen auf der Oberseite vorbei zu einem weiteren Ringgrab.

Von dort aus sahen wir eine Treppe, die aufwärts zum Turm der Freiheit und des Denkmals der Widerstandskämpfer führt. Herr Obbarius zeigte uns, dass man vom Rand des Ringgrabs eine Linie zum Turm hinauf erkennen kann, was bedeuten soll, dass diese Linie den Weg der Seelen in den Himmel beschreibt. Er teilte uns aber auch mit, dass diese religiöse Komponente jedoch sehr ungewöhnlich für die sonst so atheistische DDR gewesen ist. Beim Hochsteigen der Treppe zum Glockenturm sollte einem die Befreiung des Lagers und die aufsteigende Hoffnung, dass dieses Grauen jetzt vorbei ist, bewusst werden.

Oben angekommen betrachteten wir die Statuen der verschiedenen Widerstandskämpfer, welche wieder sehr kommunistisch dargestellt waren, und gingen anschließend in den Turm. Dort befindet sich eine Bronzeplatte im Boden, auf der Orte eingraviert sind, welche während des Nationalsozialismus ebenfalls Orte ähnlicher Verbrechen waren, zum Beispiel Mauthausen oder Theresienstadt.

An den Innenseiten des Turms steht der Buchenwaldschwur, den man im Gegensatz zur Platte auch sieht, wenn man nur durch die offene Tür schaut, da der Turm nicht immer für Touristen offen ist. Es führen außerdem Treppen auf eine Aussichtsplattform, auf der man das komplette Gelände überblicken kann.

Da unser Zug am frühen Nachmittag fahren sollte, machten wir uns schließlich auf den Rückweg und besuchten als Abschluss noch eine Ausstellung über die Befreiung des Lagers, die Pläne und den Bau des Mahnmals in der DDR.

Wieder zurück in der Gedenkstätte trafen wir uns noch einmal zu einer Feedbackrunde im Seminarraum, welche alles in Allem gut ausgefallen ist.

Es war ein sehr interessanter und gelungener, aber auch anstrengender Ausflug, bei dem wir sehr viel Neues erfahren und lernen konnten.

Text: Lena Wagner, Maja Hempfling; Bilder: Teresa Weiner; Betreuer: Frank Hoyer, Sabine Weise

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